Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten haben wir als Männerchor dieses Jahr Moldawien bereisen dürfen und dabei ein faszinierendes, aber auch zersplittertes Land kennengelernt. Unsere Reise führte uns in einen kleinen Staat im Osten Europas, geprägt von unterschiedlichen kulturellen, sprachlichen und politischen Einflüssen, die eine komplexe und manchmal herausfordernde Situation schaffen.

Ein voller Terminplan

Schon im Vorfeld der Reise hatten wir bei der Planung einige Bedenken, da immer wieder von Unruhen in und um Moldawien berichtet wurde. Zudem schien es, dass einige Sänger und Musiker keine Gelegenheit hatten, an der Reise teilzunehmen. Doch Gott hat alles so gelenkt, dass wir schließlich mit 30 Sängern und 5 Musikern die Reise antreten durften.

Unser Terminplan umfasste insgesamt 18 Gottesdienste und Andachten an 15 verschiedenen Orten. Unser erster Stopp war die Stadt Bălți im nördlichen Teil des Landes. In den ersten 5 Tagen besuchten wir mehrere Ortschaften rund um die Stadt. Anschließend führte uns unsere Reise über die Hauptstadt Chișinău in den südlichsten Zipfel des Landes, genauer gesagt in die Stadt Vulcănești, die nur wenige Kilometer von der ukrainischen und rumänischen Grenze entfernt liegt. Auch hier verbrachten wir einige Tage und besuchten gemeinsam mit den Geschwistern verschiedene Ortschaften in der Umgebung, um Gottesdienste zu feiern und Gemeinschaft zu erleben.

Land und Leute

Moldawien - ein zersplittertes LandBesonders beeindruckt hat uns die sprachliche Vielfalt Moldawiens. Während in einigen Gemeinden hauptsächlich Rumänisch gesprochen wird, gibt es andere, in denen Russisch, Gagausisch (eine Turksprache) oder eine Mischung aus Russisch, Rumänisch und Ukrainisch, die sogenannte moldauische Mundart, vorherrscht. Diese Unterschiede sind eng mit der ethnischen Zugehörigkeit und der historischen Entwicklung des Landes verbunden.

Auch politisch ist Moldawien zersplittert. Es kämpft mit innenpolitischen Spannungen und einem schwierigen Verhältnis zu seinen Nachbarn. Der Konflikt um die abtrünnige Region Transnistrien hat das Land über Jahrzehnte hinweg belastet und zu einer Spaltung innerhalb der Bevölkerung geführt. Hinzu kommen wirtschaftliche Herausforderungen und Korruptionsprobleme, die das Land weiter destabilisieren.

Dennoch haben wir während unserer Reise auch Hoffnung und Potenzial in Moldawien entdeckt. Das Land besitzt eine reiche kulturelle Geschichte, die sich in der traditionellen Volksmusik, der Kunst und dem Handwerk widerspiegelt. Moldawien ist bekannt für seine Weinproduktion und die malerische Landschaft, geprägt von Weinbergen, grünen Hügeln und dem mäandernden Dnister-Fluss.

Die Gemeinden in Moldawien haben uns nicht nur mit ihrer herzlichen Gastfreundschaft beeindruckt, sondern auch mit ihrer köstlichen Verpflegung. Die Mahlzeiten wurden mit viel Finesse und Liebe zubereitet und spiegelten die traditionelle moldauische Küche wider. Ein typisches Gericht, das wir genießen durften, ist “Mămăliga” – ein Maisbrei, der oft mit Käse oder Sauerrahm serviert wird. Dieser herzhafte Brei ist ein wahrer Genuss und begleitet viele moldauische Mahlzeiten. Ein weiteres beliebtes Gericht ist “Sarmale” – mit Hackfleisch gefüllte Kohlrouladen, die in einer würzigen Tomatensoße geschmort werden. Sie sind ein echter Gaumenschmaus. Ein Höhepunkt waren zweifellos die vielfältigen Variationen von “Blini” – hauchdünne Pfannkuchen, die auf verschiedene Arten gefüllt wurden. Von herzhaften Füllungen wie Hackfleisch oder Käse bis hin zu süßen Füllungen wie Marmelade oder Quark – die Blini boten eine wahre Geschmacksexplosion. Jeder Bissen war ein Zusammenspiel aus zarter Textur und köstlichem Aroma.

Moldawien - ein zersplittertes Land

Wir waren beeindruckt von den großen Gemeindehäusern in Moldawien, teilweise mit drei Etagen, die fast wie das Bolschoi Theater wirkten. Zudem haben wir einige christliche Altenheime besucht, die eine wichtige Rolle in der Betreuung älterer Menschen spielen. Ein ganz besonderes Erlebnis war es, in einem Rohbau eines Gemeindehauses zu singen, das von Geschwistern aus Pforzheim und Heidelberg aufgebaut wurde. Bereits nach einer Woche intensiver Arbeit war der Dachstuhl gesetzt, und wir durften unsere Stimmen in diesem noch im Entstehen begriffenen Gebäude erklingen lassen.

Mahlsteine der Bibel

Gemeinsam mit unserem Prediger Alexander Sipko haben wir während unserer Reise eine wichtige Botschaft vermittelt. In den 18 bewegenden Gottesdiensten haben wir Themen wie “Die Lehren aus dem Leben Davids”, “Womit sollte sich der Mensch rühmen?”, “Was brauchen wir Menschen heute am meisten?” und „Was ist eigentlich ein Fest für die Seele?“ behandelt.

Moldawien - ein zersplittertes LandInsbesondere das Thema „Mahlsteine der Bibel“ hat uns und die vielen Zuhörer zum Nachdenken angeregt. In einer Welt, in der die Not zunimmt, fragen wir uns, wie wir damit umgehen sollen. Oft stellen wir die Frage, ob es fair ist, dass uns Leiden begegnen. Doch wir sollten daran denken, dass Jesus selbst für unsere Sünden gelitten hat. Die meisten Segnungen erreichen wir durch Leiden. Wie die Nachtigall am schönsten aus einem Dornbusch singt, können auch wir unter den Mahlsteinen des Lebens geistige Stärke entwickeln.

Jeder von uns hat eine individuelle Herangehensweise und Methode, um mit den Herausforderungen des Lebens umzugehen. Es geht nicht nur um unsere Beziehung zu Gott, sondern auch um unsere Beziehung zu anderen Menschen. In der Welt sehen wir große Erweckungen, die mit großem Leiden einhergehen. In solchen Momenten sollten wir Gott danken, weil wir ihm näher kommen und seine Fürsorge intensiver erfahren.

Die Bibel liefert zahlreiche Beispiele für Mahlsteine des Glaubens. Abraham musste seinen Sohn opfern, Josef erlebte Gefangenschaft und Verleumdung, und der Apostel Paulus wurde verfolgt und entging nur knapp dem Tod. Doch aus diesen schwierigen Situationen entstand Segen und Fruchtbarkeit. Gott möchte, dass wir seine Gestalt annehmen, und oft geschieht dies durch die Herausforderungen, die uns begegnen.

Wir wissen nicht, wann Gott uns zu sich ruft, daher sollten wir stets bereit sein und uns von Gott prüfen lassen. Lasst uns darüber nachdenken, dass selbst inmitten des Leidens Gottes Plan und Segen zum Vorschein kommen können.

Eine intensive Reise

Unsere Reise nach Moldawien war eine unvergessliche Erfahrung, die uns mit vielen Eindrücken und Erlebnissen bereichert hat. Wir haben ein zersplittertes Land bereist, in dem die Herausforderungen und Leiden spürbar waren. Doch gerade inmitten dieser Mahlsteine der Bibel oder des Glaubens haben wir die Kraft des Glaubens und die Hoffnung in den Herzen der Menschen gesehen. Die herzliche Aufnahme und die liebevolle Gastfreundschaft der Geschwister in den Gemeinden haben uns tief berührt. Jeder Gottesdienst war eine Gelegenheit, gemeinsam Loblieder zu singen und sich im Glauben zu stärken. Für uns als Männerchor war es eine sehr intensive Zeit, da wir eine große Anzahl von Gottesdiensten gestalten durften. Es war eine Freude, unsere Lieder zu teilen und die Botschaft des Evangeliums weiterzugeben. Insgesamt war diese Reise für uns äußerst segensreich. Wir kehren mit vielen Erinnerungen, inspirierenden Begegnungen und gestärktem Glauben zurück. Moldawien mag ein zersplittertes Land sein, aber es ist auch ein Ort, an dem der Glaube, die Liebe und die Hoffnung der Menschen lebendig sind. Möge der Segen, den wir empfangen haben, auch in den Herzen der Menschen in Moldawien weiterwirken.